Futterumstellung - und sofort ist alles gut?

Kräuter sollten den Futterplan der Pferde bereichern, jedoch sind auch noch andere Faktoren wichtig zur Gesunderhaltung!
Kräuter sollten den Futterplan der Pferde bereichern, jedoch sind auch noch andere Faktoren wichtig zur Gesunderhaltung!

Das wäre schön! Aber so einfach ist das leider nicht. Und darum möchte ich hier dazu ein paar Worte schreiben. Denn oft kommen Menschen mit Erwartungen zu mir, die ich einfach nicht erfüllen kann: Viele Pferde leiden schon jahrelang unter gesundheitlichen Problemen. Es wurden diverse Tierärzte und Heilpraktiker hinzugezogen, es wurden viele Futtermittel getestet, unterschiedlichste Pflege- und Hausmittel ausprobiert und immer noch ist keine wesentliche Besserung zu bemerken. Das ist natürlich äußerst frustrierend und außerdem sehr teuer. So greift man nach jedem Strohhalm, von dem man hofft: Das könnte endlich einmal helfen! 

 

In Internetforen und Facebookgruppen werden darum gerne Tipps, Tricks und Empfehlungen ausgetauscht. Und manchmal fällt dabei auch mein Name. Ich freue mich natürlich immer sehr, wenn ich lese, dass meine Beratungen und Produkte Pferden geholfen haben. Ich weiß aber dann auch, welch langer Weg und wieviel Mühe, Gedanken und Gespräche manchmal dahinterstecken. Denn wenn die Probleme schon so lange bestehen, wenn schon so viel probiert wurde, ist es in der Regel eben NICHT so, dass es irgendein „Zaubermittel“ gibt, das das Problem jetzt plötzlich in wenigen Tagen für alle Zeiten beheben kann. Häufig bekomme ich Anfragen die ungefähr so lauten: "Mein Pferd leidet unter Stoffwechselproblemen und darum möchte ich nun Entgiften. Welche Kur können Sie mir dafür empfehlen?" 

 

Konsequente Pflege ist bei Mauke wichtig - aber auch nach der Ursache muss gesucht werden.
Konsequente Pflege ist bei Mauke wichtig - aber auch nach der Ursache muss gesucht werden.

Auf eine solche Frage kann ich nicht mit einer Produktempfehlung antworten. Es beginnt dann meist erst einmal ein langer Weg der Ursachenforschung. Oftmals sind dabei Unterstützung von Tierarzt und / oder Tierheilpraktiker nötig. Je mehr ich über ein Pferd erfahre, umso besser kann ich die Situation einschätzen, um dann möglichst gezielt die entsprechenden Produkte zu empfehlen. Trotzdem bleibt es immer etwas schwierig: Es gibt nicht DAS Patentrezept und ich bin nicht vor Ort. Ich kann mir nicht selber ein Bild machen von vom entsprechenden Pferd, seiner Haltung, der Heuqualität, seiner Herdensituation und dem Umgang mit ihm. Und all diese Dinge sind enorm wichtig! Ohne all diese Dinge zu berücksichtigen und gegebenenfalls auch zu verbessern, wird in auch der beste Futterzusatz und das beste Pflegeprodukt nicht dauerhaft helfen. Denn je mehr Stressfaktoren dem Pferd weiterhin ausgesetzt ist, umso schwieriger und langwieriger wird es zu helfen. Stressfaktoren meint hier alles, was das Pferd belastet – von schlechter Raufutterqualität über Bewegungsmangel, unpassender Herdenzusammensetzung, fehlende Liegeflächen bis hin zu Überforderung u.s.w.

 

Fohlenaufzucht mit viel frischer Luft und Bewegung mit gleichaltrigen Spielkameraden bilden eine gute Grundlage für den gesunden Stoffwechsel!
Fohlenaufzucht mit viel frischer Luft und Bewegung mit gleichaltrigen Spielkameraden bilden eine gute Grundlage für den gesunden Stoffwechsel!

Was ist eigentlich der Stoffwechsel?

 

In der Pferdewelt wird viel von Stoffwechselproblemen gesprochen. Für diverse dauerhaft bestehende gesundheitliche Probleme wird eine Stoffwechselüberlastung oder ein schlecht funktionierender Stoffwechsel als Ursache genannt. Aber man denkt wenig darüber nach, was der Stoffwechsel eigentlich ist und warum es nicht pauschal möglich ist, den Stoffwechsel mal eben mit einer kurzen Kräuterkur zu „reparieren“.

 

Als Stoffwechsel werden alle biochemischen Vorgänge im Körper bezeichnet. Es sind also all die Prozesse, in denen Stoffe aus der Nahrung vom Organismus aufgenommen, abgebaut, umgebaut oder auch eingelagert werden, um für eine Vielzahl an lebenswichtigen Funktionen jeweils zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Und überflüssige oder gar schädliche Stoffe müssen entsorgt werden, dafür oft erst einmal zunächst zerlegt und / oder umgebaut werden. Für dieses komplexen Vorgänge ist ein sehr ausgeklügeltes, effektives Zusammenspiel diverser Organe, Hormone und Enzyme nötig. Dies ist nur eine kurze, grobe (und laienhafte) Zusammenfassung. Es zeigt jedoch schon, wie umfassend und kompliziert das ganze Thema ist.

 

Freie Bewegung mit anderen Pferden auf der Wiese tut  der Psyche einfach gut!
Freie Bewegung mit anderen Pferden auf der Wiese tut der Psyche einfach gut!

Was sind „Stoffwechselstörungen“?

 

Von Stoffwechselstörungen spricht man, wenn es Abweichungen in den Stoffwechselabläufen gibt. Diese können sehr vielfältig sein. Eine Störung liegt zum Beispiel vor, wenn bestimmte Stoffe nicht richtig verwertet werden können und / oder nicht dort ankommen, wo sie benötigt werden. Auch eine Über- oder Unterproduktion bestimmter biochemischer Stoffe führen zu einem Ungleichgewicht im Körper und somit zu einer Stoffwechselstörung.

 

Ich möchte darauf hier nun nicht ausführlicher eingehen. Aber eines wird wohl sehr schnell klar: Ein funktionierender Stoffwechsel ist von weit mehr Faktoren abhängig als nur von einer leistungsfähigen Leber und gesunden Nieren!

 

 

Und was bedeutet das nun für uns?

 

-Weil die Stoffwechselprozesse also so umfangreich und vielfältig sind, brauchen wir Geduld und verschiedene Ansätze, um dem Pferd zu helfen. Es braucht oft verschiedene Dinge und auch Zeit, den Organismus wieder besser ins Gleichgewicht zu bringen. Es gibt nicht DIE eine Stoffwechselkur, die dann alles wieder in Ordnung bringt.

 

-Weil der Stoffwechsel von einem gut funktionierendem Verdauungssystem abhängt, ist das oft ein erster Ansatzpunkt. Wenn es schon Probleme in Maul, Magen oder Darm gibt, dann ist es wichtig, auch dort als erstes anzusetzen und dann nach und nach weiter zu schauen. 

 

Besonders umsichtige Ausbildung ist wichtig zur Gesunderhaltung von Jungpferden!
Besonders umsichtige Ausbildung ist wichtig zur Gesunderhaltung von Jungpferden!

-Das Thema Stress ist in meinen Beratungen immer eines der Hauptthemen, denn besonders dauerhafter Stress beeinträchtigt massiv die Verdauung und auch den Stoffwechsel. Dies ist wohl die größte Schwierigkeit, denn hier etwas zu verändern ist nicht immer einfach. Und es bedeutet auch, dass wir uns selber oft zurücknehmen müssen, an uns arbeiten, unsere Haltung und unseren Umgang überdenken müssen.

 

-Der Punkt Bewegungsmangel zählt zwar eigentlich zum Thema Stress, wird aber oft in diesem Zusammenhang vergessen: Damit der Stoffwechsel des Pferdes funktioniert, braucht es ausreichend Bewegung!

 

-Und natürlich ist auch die ausgewogene Fütterung aller Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe wichtig. Ganz wichtig ist die Versorgung mit ausreichend und passendem Raufutter. Lesen Sie dazu bitte auch hier

 

-Nicht zuletzt brauchen oft auch Leber und Nieren etwas Unterstützung. Aber wie man nun sieht, ist das nur ein Punkt von ganz vielen anderen...

 

Geben Sie also nicht gleich auf, wenn sich nach einer Futterumstellung nicht sofort ein deutlicher Erfolg einstellt! Diese Dinge brauchen Zeit und oft muss man erst einmal verschiedene Bereiche ansprechen, bevor sich sichtbar etwas ändert. Aber bedenken Sie bitte immer: Mit gut passenden Futterzusätzen kann man zwar einiges erreichen und verbessern, aber es gibt noch viele andere, wichtige Faktoren. Und ohne diese zu beachten, werden Sie Ihrem Pferd nicht dauerhaft helfen können. Denn mit einem Zusatz, den man in Mengen von zum Beispiel 50 g / Tag gibt, wird man nicht all das wettmachen können, was von unpassender oder nicht ausreichender Raufuttergabe, Bewegungsmangel, Stress in der Herde oder Ausbildung oder anderen Dingen verursacht wird. Statt also immer weiter nach DEM einen Futterzusatz zu suchen, der nun alles richten soll, schauen Sie sich bitte immer auch das große Ganze an: Die Haltung des Pferdes, das Grundfutter, die Anforderungen an dieses Pferd,  seine Bedürfnisse usw