Pferdegerechte Fütterung - Was ist wichtig?

Foto: A. Kögel
Foto: A. Kögel

Es wird sehr viel über Pferdefütterung geschrieben und diskutiert. Die Bandbreite der unterschiedlichen Ansichten und Philosophien ist inzwischen sehr groß, ebenso wie der Futtermittelmarkt immer unübersichtlicher wird.

 

In meinen Beratungen sehe ich, dass es auf der einen Seite doch recht viele Pferdehalter gibt, die sich bisher kaum mit der Pferdefütterung beschäftigt haben. Dieses Thema  scheint so groß und verwirrend, dass manche Menschen nicht den Mut haben, sich damit näher auseinander zu setzen. Das überlässt man dann lieber dem Stallbetreiber. Und es gibt auf der anderen Seite die Menschen, die völlig verzweifeln am Wust der vielen Informationen. In dem Bestreben, alles zu meiden, was dem Pferd irgendwie schaden könnte, verlieren einige Pferdehalter ganz den großen, roten Faden in der Fütterung. All zu häufig werden leider Sorgen geschürt durch gefährliches Schwarz-Weiß-Denken, das auf wenig fundiertem Wissen basiert. Und die wichtigsten Bedürfnisse der Pferde werden dann schnell viel zu wenig berücksichtigt!

Raufutter

Hauptaugenmerk in der Pferdefütterung muss immer auf die Raufutterversorgung gelegt werden. Gutes Heu in ausreichender Menge und in der passenden Qualität ist enorm wichtig. Das klingt so einfach, ist aber oft genug schwer umzusetzen. Heu sollte ordentlich strukturiert sein, gut riechen, möglichst staubarm und auf keinen Fall schimmelig sein. Je nach Erntezeitpunkt und Standort unterscheiden sich die Nährstoffgehalte von Heu erheblich und man tut als Pferdehalter gut daran, sich etwas intensiver mit der Heuqualität zu beschäftigen. Jeder Pferdehalter sollte zumindest wissen: Wieviel Heu frisst mein Pferd? Und wie lange frisst es Heu? Zu welchem Zeitpunkt wurde das Heu geerntet? Auch die Frage "Wieviel würde es fressen, wenn es fressen dürfte, so viel es möchte?" kann oft sehr wichtig sein. Einiges zu diesen Themen habe ich geschrieben in dem Artikel "Was steckt im Heu?" und auch "Wieviel Heu sollte man füttern?"

 

Stroh kann gut ergänzend bis zu einem Drittel der Gesamt-Raufutterration täglich gegeben werden. Bei höheren Strohgaben droht u.U. die Gefahr von Verstopfungskoliken.

 

Auch Zweige und Äste verschiedener Gehölze sind wichtige Bestandteile der Rubrik Raufutter, besonders für leichtfuttrige Pferde, denen man nicht Heu ad. lib. anbieten kann. Geeignet sind z.B. Birke, Weißdorn, Haselnuss, Pappel, Apfel, Birne, Himbeere, Weiden, Buchen - natürlich immer jeweils OHNE Früchte!

Aus verschiedenen Gründen würde ich die Fütterung von Heu der Gabe von Heulage vorziehen. Allerdings hat sich meine Einstellung zur Heulage in der letzten Zeit etwas verändert: Während ich früher Heulage total ablehnte, sehe ich heute auch einige Vorteile und manchmal auch die Notwendigkeit, unter bestimmten Bedingungen dann doch eine Heulage statt des Heus aufzupressen bzw. zu füttern: Hat man witterungsbedingt nur die Wahl zwischen schlechtem, schimmelbelastetem Heu und einer wirklich gut gemachten Heulage, dann relativiert sich so einiges. In meinem Kundenkreis kenne ich also deutlich mehr Pferde, die durch schlechte Heuqualität erkrankten als an Heulagefütterung. Auch wenn Heu das wohl beste Pferdefutter ist, so muss man Heulage unter bestimmten Bedingungen nicht verteufeln.

 

Bewusst habe ich oben von der "passenden Qualität" des Heus geschrieben. Denn neben der natürlich immer notwendigen hygienisch einwandfreien Qualität, können die für das jeweilige Pferd passenden Eigenschaften sehr unterschiedlich sein. Leider ist es selten möglich, ein in allen Punkten für alle Pferde perfektes Heu zu ernten bzw. zu kaufen. So sollte man sich jeweils fragen: Welche Punkte sind für mein Pferd besonders wichtig?  Beispielsweise sollten die meisten Freizeitpferde  besser mit spät geerntetem, energiearmen Heu versorgt werden - für ältere Pferde oder Pferde, die viel gearbeitet werden, passt ein früher geernteter Schnitt dagegen besser. Für ein gesundes, schlankes Pferd ist ein etwas höherer Zuckerwert wohl für eine gewisse Zeit tolerierbar - bei einem rehegefährdeten Pferd kann selbiges Heu fatale Auswirkungen haben. 

 

Noch etwas darf beim Thema Raufutter nicht fehlen: Plötzliche Futterwechsel müssen vermieden werden! Im Frühjahr achten wohl die meisten Pferdehalter auf ein langsames Anweiden ihrer Pferde, weil bekannt ist, dass ein zu schneller Wechsel von der Winterfütterung zum Weidegang so einige Risiken birgt. Andersherum wird im Herbst wenig beachtet, dass auch dort wieder eine sehr große Futterumstellung ansteht, die natürlich ebenfalls langsam erfolgen sollte. Jeglicher Futterwechsel bedeutet, dass sich die Darmflora umstellen muss und das braucht jeweils Zeit. Auch Wechsel von sehr unterschiedlichen Heuqualitäten sollten darum immer langsam erfolgen. Hat man unterschiedliche Heuchargen eingekauft, so sollte man diese also nicht immer abwechselnd füttern, sondern besser mischen oder erst eine der Sorten füttern und wenn diese zur Neige geht, langsam die nächste Sorte hinzunehmen. Grundsätzlich ist man einfach auf der sicheren Seite, wenn man sämtliche Wechsel in der Fütterung langsam und bedächtig vornimmt.

 

Auch bei der Art der Raufutterversorgung gibt es so einiges zu beachten: Viele der Pferde in meinem Kundenkreis leben in Offenställen und ein sehr häufiges Problem ist der Stress während des Fressens. Den Großteil des Tages verbringen Pferde beim Fressen. In der Natur wandern sie dabei umher, fressen manchmal Nase an Nase mit ihren besten Freunden - dann aber auch wieder alleine mit etwas Abstand von anderen Pferden. In menschlicher Obhut werden jedoch Fressplätze und Fresszeiten fest vorgegeben. Futterraufen sind für uns Menschen eine sehr praktische, arbeitssparende Sache. Wichtig ist aber immer: Es muss in jeder Gruppe ca. ein Drittel mehr Futterplätze als Pferde geben. Dafür sollte man immer auch schauen, wieviele Fressplätze im Zweifelsfall von einem Pferd blockiert werden können. Jedes Pferd der Gruppe muss die Möglichkeit haben, in Ruhe fressen zu können. Manche Pferde fressen lieber alleine, als in so engem Kontakt zu anderen Pferden. Und Pferde mögen es sehr, wenn sie nicht nur einen festen Futterplatz haben, sondern wenn man ihnen einige Auswahlmöglichkeiten bietet. Überall auf dem Offenstallgelände verteilte größere und kleinere Fressstellen sorgen also für sehr viel mehr Entspannnung in der Herde und tragen enorm zur Gesunderhaltung der Pferde bei: Mehr Bewegung durch mehr Fressstellen, mehr Zufriedenheit durch mehr Entscheidungsmöglichkeiten und weniger Stress in der Herde, weil sich Pferde, die sich nicht so gut verstehen, viel besser aus dem Weg gehen können.

 

Ein weiterer möglicher Stressfaktor bei der Heufütterung sind Fressständer. Man möchte dabei eigentlich den Stress der Pferde beim Fressen minimieren. So weit, so gut... Aber wenn man überlegt, dass das Pferd nun also einen Großteil des Tages in diesen Ständern steht, sieht das schon etwas anders aus: Das Pferd kann in dieser Zeit nicht umherschauen. Es kann auch nicht Nase an Nase mit Freunden fressen. Es kann oft genug bei Gefahr dann nur rückwärts aus dem Ständer flüchten. Diese Art der Fütterung bringt also so einige Einschränkungen mit sich. Nicht jedes Pferd kommt damit zurecht!

 

Fresspausen

Pferde sind Dauerfresser. In der Natur frisst das Pferd ständig kleine Mengen und ist dabei viel in Bewegung. Die Angaben in der Literatur, wie viele Stunden am Tag Pferde in der Natur fressen, schwanken: Es sind wohl so bis zu 18 Stunden, mindestens aber 12 Stunden. In der Regel geht man von 16 Stunden aus. Dafür sind Magen und Darm des Pferdes ausgelegt.

 

Fresspausen länger als 4 Stunden sollten vermieden werden, denn das Pferd produziert ständig Magensäure.  Bei längeren Fresspausen wird der Mageninhalt zu stark angesäuert, die Magenschleimhaut wird angegriffen, es können sich Magengeschwüre entwickeln. Bei sehr empfindlichen Pferden können auch diese 4 Stunden schon zu lang sein, denn Stress durch Fresspausen kann oft schon nach 2 Stunden empfunden werden.

 

Aber nicht nur auf Vermeidung von zu langen Fresspausen muss geachtet werden, auch die absoluten Fresszeiten sind enorm wichtig. Aus gutem Grund steht in den "Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltung unter Tierschutzgesichtspunkten" klar geschrieben: Ausreichend strukturiertes Futter ist mindestens während 12 Stunden täglich anzubieten! Außerdem ist zu beachten: Der Fresszyklus der Pferde dauert ca. 1,5 bis 2 Stunden. Darum sind sehr viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt nicht sinnvoll. In manchen Ställen werden alle 3 bis 4 Stunden so kleine Mengen Heu vorgelegt, dass die Pferde nach weniger als einer Stunde (oft reichen solche Rationen nur für ca. 30 Minuten) diese Ration  aufgefressen haben. Das bedeutet Dauerstress fürs Pferd! Diese Futtertechnik soll dafür sorgen, dass die Pferde abnehmen. Doch der hohe Stress, den diese Pferde dabei empfinden, führt oft genug zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen - während sich die Besitzer in Sicherheit wägen, weil die Fresspausen ja nie länger als 3 oder 4 Stunden andauern. 

 

Gerade bei sehr leichtfuttrigen Pferden ist es schwierig, zum einen ausreichend lange Fresszeiten zu bieten, nicht zu viel Stroh zu füttern und trotzdem die Pferde nicht zu dick werden zu lassen. Engmaschige Heunetze (ich benutze für meine Pferde Heunetze mit 3 x 3 cm Maschenweite) können da Abhilfe schaffen. (Engmaschige Heunetze finden Sie hier.) Und einen Artikel zu diesem Thema habe ich hier geschrieben: "Mein Pferd ist dick!"

 

Wenn möglich, bieten Sie Ihrem Pferd wie oben erwähnt immer wieder verschiedene Zweige und Äste an! Auch das verlängert die Fresszeiten und ist nebenbei sehr gesund und bietet Abwechslung. 

 

Kraftfutter

Die wenigsten unserer Freizeitpferde benötigen tatsächlich Kraftfutter. Trotzdem werden gerne Müslis usw. verfüttert, um den Vitamin- und Mineralbedarf unserer Pferde zu decken - und weil Müslis einfach so schön aussehen, gut riechen und den Pferden natürlich auch gut schmecken. Jedoch wird von vielen Pferden ein weitaus schlichteres Krippenfutter besser vertragen.

 

Sehr gut bewährt haben sich zum Beispiel Wiesenfasern, eingeweichte Heu- oder Luzernecobs oder ähnliche Produkte, die man evtl. mit etwas Rote Bete oder Möhrenflocken geschmacklich aufpeppen kann. Braucht das Pferd aus bestimmten Gründen Getreide, so kann man gerne einfach ganzen Hafer und / oder Quetschgerste  geben. Und dort hinein gibt man dann evtl. benötigte Zusätze. So kann man das Pferd ganz individuell nach Bedarf versorgen.

 

Getreidefreie "Müslis" können ebenfalls eine schöne, einfach zu handhabende und trotzdem schmackhafte Grundlage für andere nötige Zusätze sein. 

 

Grundsätzlich muss ich jedoch sagen: Auch, wenn die wenigsten unserer Freizeitpferde eigentlich ein Krippenfutter benötigen würden, so sollte man all diese Futtermittel nicht zu negativ bewerten! Generell bevorzuge auch ich also ein sehr schlichtes Krippenfutter. Aber recht viele Pferde sind sehr mäkelig. Und wenn ein solch mäkeliges Pferd z.B. dringend zunehmen muss oder unter bestimmten Mängeln leidet oder aus anderen Gründen bestimmte Futterzusätze einfach aufnehmen MUSS - dann ist es völlig in Ordnung, auch mal mit ein paar Leckereien die Situation zu erleichtern. Da muss man immer sehen: Wieviel von diesen Dingen gebe ich denn? Fällt das überhaupt in der Gesamtration ins Gewicht? In welchem Verhältnis stehen Nutzen und "Risiko"?

 

Auch Futterneid kann zu erheblichem Stress führen. Bekommen also andere Pferde im Stall alle zu bestimmten Zeiten ihr Krippenfutter, so sollte man seinem Pferd in dieser Zeit ebenfalls etwas anbieten. Ein bisschen was Leckeres im Trog schadet dann wohl weit weniger, als täglich wiederkehrender Stress.

 

Füttert man seinem Pferd fertige Müslis o.ä., so ist immer wichtig zu schauen: Ist dieses Futter vitaminisiert und mineralisiert? Wenn ja: Wieviel gebe ich meinem Pferd davon? Oft werden mineralisierte Müslis, Mineralfutter und möglicherweise noch diverse andere Futtermittel, denen Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt sind, einfach ungeprüft so miteinander kombiniert und gleichzeitig verfüttert. Das ist gefährlich! Bei der Gabe von unterschiedlichen Futtermitteln mit Mineral- und Vitaminzusätzen muss jeweils berechnet werden, wieviel man dann wovon geben kann / darf, ohne das Pferd in bestimmten Bereichen in einen gefährlichen Überschuss kommen zu lassen.

 

Kraftfutter (oder Ersatz für Kraftfutter) sollte nicht nach Fresspausen gegeben werden. Es sollte vor dem Kraftfutter immer mindestens eine halbe Stunde Raufutter gefressen werden. So wird das Getreide besser vertragen und die Nährstoffe werden besser verwertet. Die beliebte Futterschüssel als Belohnung nach getaner Arbeit ist darum wenig sinnvoll für eine gute Nährstoffaufnahme.

  

Auch an dieser Stelle noch einmal der Hinweis: Jede Futterumstellung muss langsam erfolgen! 

Mineralfutter und andere Nährstoffergänzungen

Sekundäre Pflanzenstoffe muss man nicht zwangsläufig kaufen - auch in Zweigen und Ästen sind sie reichlich enthalten!
Sekundäre Pflanzenstoffe muss man nicht zwangsläufig kaufen - auch in Zweigen und Ästen sind sie reichlich enthalten!

Es wird viel diskutiert über Mineralfutter: Braucht ein Pferd das wirklich? Ist das nicht viel zu chemisch? Und wenn es das wirklich braucht, worauf ist denn dann zu achten?

 

Einen sehr guten Anhaltspunkt bieten Heuanalysen. In solche Analysen sieht man sehr gut, was das Pferd zusätzlich zum Heu benötigt - und auch,  womit es  ausreichend versorgt ist. Die Erfahrung zeigt: In sehr vielen Fällen reichen die Gehalte im Heu nicht aus, das Pferd besonders mit den Spurenelementen Zink, Kupfer und Selen ausreichend zu versorgen. Bei recht spät geerntetem Heu, wie es gerne für leichtfuttrige Robustpferde genutzt wird, gibt es außerdem oftmals auch Engpässe in der Versorgung mit ausreichend dünndarmverdaulichem Rohprotein. Lesen Sie gerne auch hier: Nur Natur im Futtertrog? und hier "Was steckt im Heu?" 

 

2014 wurden die neuen "Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden" von der GfE herausgegeben. Nach diesen Werten sollte man sich richten, wenn man Rationen berechnet. Früher ging man von anderen Werten aus, die sich teilweise stark von denen unterscheiden, mit denen man heute (nach vielen neueren Erkenntnissen!) arbeitet. Natürlich ist der individuelle Bedarf der Pferde sehr unterschiedlich und man darf nun nicht den Fehler machen, sich nur noch an den Zahlen zu orientieren. Das sind lediglich grobe, aber doch sehr sinnvolle Anhaltspunkte.

 

Was ist also ein "gutes Mineralfutter"? Ein gutes Mineralfutter ist immer das, was zum jeweiligen Heu und dem Bedarf des Pferdes passt und möglichst gut die Lücken schließt, ohne an anderer Stelle zu einer Überversorgung zu führen. Das Mineralfutter sollte von seinen Gehalten den neuen Empfehlungen von 2014 gerecht werden. Und natürlich sollten die Mineralstoffe in gut verfügbarer Form vorliegen. Lesen Sie gerne auch meinen Artikel zur Futtermitteldeklaration, in dem ich ein wenig mehr geschrieben habe zur Bewertung verschiedener Futtermittel.

 

Ein Salzleckstein sollte immer zur Verfügung stehen. Jedoch ist es  wichtig, einen Salzleckstein ohne den Zusatz von Mineralien anzubieten. Von kombinierten Mineral- und Salzlecksteinen rate ich ab, denn viel zu leicht kann es dabei zu einer überhöhten Mineralstoffaufnahme kommen - vor allem, wenn diesen Steinen auch noch Melasse für einen besseren Geschmack beigefügt wurde. Mineralfutter sollte also gezielt zugefüttert werden, während man einen Salzleckstein zur freien Verfügung anbietet. 

  

Auch über die wichtigen sekundären Pflanzenstoffe wird in diesem Zusammenhang viel diskutiert und so wird oft versucht, den Bedarf ganz natürlich über Kräutermischungen zu decken. So schön die Vorstellung auch ist - das funktioniert leider nicht immer! Aber natürlich kann man beides auch miteinander kombinieren!

 

Weidegang

Auf diesen Punkt haben viele Pferdebesitzer leider oft wenig Einfluss: Die Wiese! Weidesaison ist für unsere Pferde die schönste Zeit des Jahres, aber für uns Pferdehalter nicht immer sorgenfrei. Das frische Gras enthält im Frühjahr sehr viel Zucker, Energie und Eiweiß. Es drohen Hufrehe, Übergewicht, Blähungen, Mauke- und Raspeschübe, Kotwasser und anders. Sinnvoll ist es also, sehr vorsichtig und spät (ab ca. Ende Mai) mit dem Anweiden zu beginnen.

 

Bietet man den Pferden im Frühjahr auch immer wieder frische Zweige und Äste an, so hält sich der Heißhunger auf frisches Gras meist recht gut in Grenzen. Und immer muss man dabei auch im Kopf haben: Spätes Anweiden lohnt sich doppelt: Die Pferde fressen nicht so viel vom sehr gehaltvollen Frühjahrsgras und das höhere, rohfaserreichere Gras wird deutlich besser vertragen. Außerdem ist die Weide dann nicht so früh im Jahr heruntergefressen, sondern hält länger vor. Das ist wiederum sehr wichtig zu beachten, denn kurz abgefressenes Gras ist weit gefährlicher (fruktanreicher!) als höheres Gras. Kurz abgefressene Wiesen sind also keine "Magerweiden" sondern eher wahre Zuckerbomben. Außerdem leidet die Grasnarbe sehr unter starkem Verbiss und es können sich dann viel leichter unerwünschte Giftpflanzen wie z.B. Jakobskreuzkraut ansiedeln.

 

Über Weidegang und Weidepflege fällt es mir schwer, in kurzer Form etwas zu schreiben. Denn viel zu groß sind die unterschiedlichen Gegebenheiten! Dazu kommt bestimmt irgendwann noch einmal ein eigenständiger Artikel. Aber immer wieder stellt sich natürlich die Frage: Was muss ich meinem Pferde während der Weidesaison zufüttern? Reicht einfach ein Salzleckstein? 

 

In der Regel reicht auch der Spurenelementgehalt im Gras nicht aus, die Pferde ausreichend mit Zink, Kupfer und Selen zu versorgen. Darum ist es meist nötig, auch im Sommer ein Mineralfutter zu geben. Gerne werden dafür einfach für alle Pferde auf der Wiese Mineralstoff-Lecksteine oder -Schalen angeboten. Aber wie oben im Absatz schon erwähnt: Mineralfutter sollte besser gezielt zugegeben werden. 

 

Wasser

Das Pferd sollte immer frisches Wasser zur Verfügung haben. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit... Leider gibt es jedoch auch hier immer wieder Probleme. So sehe ich nicht selten auf Wiesen unsaubere Maurerkübel mit schon grünlichem Wasser. Wasser sollte (sofern keine Selbsttränken vorhanden sind) am besten in Bottichen aus lebensmittelechten Materialien angeboten werden. Diese sollten möglichst im Schatten stehen und täglich gereinigt werden. Eine Bürste liegt bei uns immer griffbereit, so dass die Bottiche vor dem Auffüllen immer schnell sauber geschrubbt werden können. Für Selbsttränken gilt natürlich auch: Tägliche Kontrolle und Reinigung ist wichtig! Außerdem ist zu beachten: Viele Pferde saufen aus mit Schwimmern versehenen Tränkebecken besser also aus Selbsttränken, bei denen nur Wasser nachläuft, wenn das Ventil gedrückt wird. 

 

Selbstverständlich sollte es auch sein, besonders Brunnenwasser regelmäßig kontrollieren zu lassen. Wasser ist neben Heu für das Pferd das wichtigeste Lebensmittel und somit sollten wir auch die Wichtigkeit nicht unterschätzen und auf keinen Fall an der Wasserqualität sparen. Aber auch bei Verwendung von Trinkwasser muss man schauen, was mit dem Wasser passiert auf dem Weg zum Pferd: Durch welche Rohre / Schläuche fließt es? Im Haushalt werden Leitungsrohre regelmäßig heiß gespült. Im Pferdestall wird meist ausschließlich kaltes Wasser verwendet, welches im Sommer dann in den Rohren steht und sich erwärmt - eine Brutstätte für div. Keime! Tatsächlich kenne ich einige Fälle, in denen eigentlich gutes Wasser in Trinkwasserqualität genutzt wurde - aber als man das Wasser untersuchte, das dann wirklich von den Pferden aufgenommen wurde, fand man bedenklich hohe Keimzahlen.  

Und was ist sonst noch wichtig?

Eigentlich ist Pferdefütterung also gar nicht schwierig! Pferde benötigen genügend lange Fresszeiten, passendes Heu und sauberes Wasser. Wenn man die Nährstoffgehalte des Heus und den  Bedarf des Pferde kennt, kann man an den richtigen Stellen ergänzen (bzw. weglassen). Und für mehr Abwechslung und eine naturgemäßere Ernährung darf man gerne beispielsweise zusätzlich Zweige und Äste geben. Trotzdem gibt es immer wieder Probleme, denn es gibt doch einige Faktoren, die man als Pferdebesitzer nicht unbedingt immer so einfach beeinflussen kann. 

 

Vielfach wird dann versucht, an viel kleineren Stellen in der Fütterung zu schrauben. Da wird darüber diskutiert, ob die 10 g Weizenkleie im Mineralfutter das Pferd nicht doch krank machen, weil man Sorge hat, es wäre zu viel Stärke - aber es wird ein Heu mit einem Zuckergehalt von 12 % (wahlweise auch mehr, das kommt häufig vor) gegeben. Ich bin also auf meiner Seite bewusst nicht auf die Bewertung einzelner Futtermittelbestandteile eingegangen, sondern habe das eher allgemein gehalten. Denn wenn wir nur an den kleinen Stellschrauben drehen, werden wir nichts verändern können, solange das große Ganze nicht passt. DARAUF müssen wir zu allererst unser Augenmerk legen. 

 

Außerdem wird die Gesundheit unserer Pferde nicht nur von der Fütterung beeinflusst. Oft wird weit unterschätzt, wie sensibel unsere Pferde sind, wie schnell sie Stress empfinden und wie leicht dieser Stress sie krank machen kann. So kann also auch die absolut perfekte Haltung und Fütterung unsere Pferde nicht vor Erkrankungen schützen, wenn wir diesen Punkt nicht ausreichend berücksichtigen. Lesen Sie darum gerne auch die Artikel in dieser Rubrik: Lesenswertes - Verhalten