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Ein Fohlen aus der eigenen Stute?

So reizvoll es auch sein mag, muss man es sich sehr gut überlegen, ob man wirklich ein Fohlen aus der eigenen Stute ziehen sollte: Ist sie gesund und charakterlich so, wie man es warmblood mare and foal on pasture. Galloping herdiStock Kerricksich wünscht? Oder ist der Wunsch nach einem Fohlen aus dieser Stute der Hoffnung entsprungen, aus einer vielleicht wunderschönen - aber eben leider schwierigen oder kranken Stute - dann ein perfektes Pferd zu ziehen?

DER Plan geht selten auf, denn man darf nicht unterschätzen, wie stark Genetik und auch Einfluss der Mutterstute sind. Darum sollte man also wirklich nur mit Pferden züchten, die körperlich und psychisch gesund sind. 

Weiterhin ist es notwendig, dass Stute und Fohlen in einer möglichst stabilen Herde mit genügend Auslauf leben, am besten sollte es noch weitere Stuten mit Fohlen in der Gruppe geben. Die Stuten brauchen den Halt der Herde, weil sie sonst viel zu wenig zur Ruhe und zum Schlafen kommen, wenn sie mit dem Fohlen alleine gehalten werden. Und das Fohlen braucht andere Pferde in der Gruppe, um das umfangreiche Sozialverhalten lernen zu können. 

Wie füttere ich die tragende Stute?

Wenn die Rahmenbedingungen passen und ich lasse meine Stute decken, stellt sich schnell die Frage, wie die Stute bestmöglich unterstützt wird, damit das Fohlen gesund zur Welt kommt.

Die ersten 7 Monate wird die Stute einfach nur normal "bedarfsgerecht" gefüttert, beim Protein kann man evtl. bis zu 20 % Mehrbedarf einkalkulieren. Insgesamt steigt der Bedarf erst ab dem 8. Monat so sehr deutlich an. Trotzdem würde ich immer dazu raten, von Anfang an mit Heuanalysen zu arbeiten, damit in der Ration der tragenden Stute alles passt. 

Ab dem 8. Monat muss neu berechnet werden und meist ist der Austausch einiger Futtermittel notwendig. Diese Umstellungen sollten nicht zu spät erfolgen, denn Futterumstellungen kurz vor der Geburt sind zu vermeiden. In den letzten Monaten der Trächtigkeit und den ersten Laktationsmonaten steigt besonders der Bedarf an Energie, Protein, Calcium, Phosphor und Vitamin A (Beta Carotin). Gleichzeitig erleichtert es die Geburt, wenn nicht zu hohe Raufuttermengen gegeben werden, um den Verdauungstrakt nicht zu überladen. 

Im 11. Trächtigkeitsmonat benötigt die Stute beispielsweise:

  • ca. 1,8 mal so viel dünndarmverdauliches Rohprotein wie in Erhaltung. In der Laktation steigt der Bedarf sogar auf die 2,7 fache Menge gegenüber dem Erhaltungsbedarf.
  • ca. 2,9 mal so viel Calcium wie in Erhaltung.
  • ca. 3 mal so viel Phosphor wie in Erhaltung.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAMan beginnt also ab dem 8. Monat die Fütterung anzupassen, um den nach und nach steigenden Bedarf in verschiedenen Bereichen zu decken. Und da wir hier von durchaus hohen Mengen an verschiedenen Nährstoffen sprechen, spart man letztendlich recht viel Geld, wenn man anhand von Heuanalysen berechnet, was die Stute tatsächlich benötigt. Ab dem 8. Monat bis ca. zum 6. Monat der Laktation wird die Ration am besten ca. 1 x monatlich entsprechend angepasst. 

Neben der gut angepassten Ration ist jedoch für die Entwicklung eines gesunden und belastbaren Bewegungsapparates und genügend Knochendichte ausreichend Bewegung unabdingbar. In der Box nimmt die Knochendichte ab. Auch enge Wendungen wirken sich negativ auf die Knochengesundheit aus, ebenso wie Bewegung auf ausschließlich harten Böden. 

Die hohen benötigten Proteinmengen und der hohe Bewegungsbedarf der Fohlen führen dazu, dass man wirklich sagen kann: Stuten und Fohlen gehören unbedingt auf die Weide! Ein Fohlen in fast ausschließlicher Paddockhaltung aufzuziehen ist nicht empfehlenswert. Und wenn der Grund dafür die extreme Leichtfuttrigkeit oder möglicherweise gar EMS der der Mutterstute sein sollte, so muss man auch an dieser Stelle sagen: Auch das wird ans Fohlen weitergegeben! Auch mit stark übergewichtigen Stuten sollte darum nicht gezüchtet werden. Ich selber habe es zwar damals vor über 20 Jahren getan. Da war das Wissen über all diese Dinge jedoch längst nicht so groß wie heute...

Ein Absetzer zieht ein!

Wenn man selber nicht die Möglichkeit hat, ein Fohlen zu ziehen, schaut man sich gerne nach einem Absetzer um. Und auch hier gibt es einiges zu bedenken! Üblicherweise werden Fohlen mit 6 Monaten abgesetzt und von der Mutter weg in ein neues Zuhause gebracht. Das ist jedoch zu früh! Man weiß aus unterschiedlichen Studien, dass es besser wäre, später abzusetzen und zudem das Fohlen in der ihm bekannten Herde zu lassen und nur die Mutterstute zum Absetzen aus der Herde zu nehmen. 

Das Absetzen mit 6 Monaten ist sehr risikobehaftet. Fast alle Fohlen entwickeln dabei Magenprobleme. Auch Verhaltensstörungen wie Weben oder Koppen haben ihren Ursprung oft im zu frühen Absetzen. Trotzdem wird es leider immer weiter so gemacht. Je mehr potentielle Fohlenkäufer auf die Züchter zukommen und es anders möchten, umso höher die Chance, dass sich irgendwann etwas verändert!

Auch Absetzer sollten in stabilen, altersgemischten Herden leben. Idealerweise gibt es (besonders für die jungen Hengste) auch gleichaltrige Spielkameraden. Einen Absetzer oder Jährling jedoch nur mit einem weiteren Pferd zusammen zu halten sollte man vermeiden. Ebenso gehören Fohlen, Jährlinge und überhaupt Jungpferde nicht in die Box, auch nicht in die Paddock-Box. Das sind viele zu viele enge Wendungen, die sich negativ auswirken können auf die Knochengesundheit.

Nicht nur durch die bedarfsgerechte Fütterung von Anfang an, sondern auch viel Bewegung auf Naturböden unterschiedlicher Beschaffenheit sind notwendig für die gesunde Entwicklung des Bewegungsapparates. 

Welches Futter für den Absetzer?

Idealerweise würde man dem Absetzer schon vor Umzug ins neue Zuhause einen Magenschleimhautschutz geben, denn so ein Umzug ist für so ein Jungpferd wahnsinnig viel und Warmblood horses - foals play together in the pastureiStock Kerrickstressig und in der Regel entwickeln sich dabei Magenprobleme. Natürlich wirken die Absetzer erst einmal total ruhig. Das liegt aber daran, dass sie versuchen, sich möglichst unsichtbar zu machen - es ist also Überlebensstrategie. 

Weil es alles so viel ist, gibt man dem Absetzer erst einmal das Futter, das er aus seinem bisherigen Zuhause kennt. Davon ausgehend stellt man auf ein dem Heu angepassten Futter um.

Die Jungpferde haben vor allem einen höheren Bedarf an Calcium und Phosphor, so dass zumindest in den ersten 18 Monaten meistens spezielle Produkte Sinn machen. Aber auch, wenn im Heu / Gras genügend Ca und P enthalten sein sollte, so dass man ein "normales" Mineralfutter geben kann, ist zu berücksichtigen, dass Mineralfutter für Jungpferde anders dosiert wird. Wählt man also ein Produkt aus, das nicht explizit für die Aufzucht gedacht ist, kann man nicht die auf der Packung angegebenen Dosierungen nutzen. Wiegt beispielsweise ein Jährling 300 kg, so hat er in allen Nährstoffbereichen einen deutlich höheren Bedarf als ein ausgewachsenes 300 kg-Pferd. Darum wird also für ein Pferd im Wachstum das Mineralfutter anders dosiert als für ein erwachsenes Pferd. 

Kurz zusammengefasst ist bei den Absetzern also zunächst immer die Magengesundheit zu beachten. Die Nährstoffversorgung sollte anhand von Heuanalysen berechnet werden, um dem erhöhten Bedarf fürs Wachstum gerecht zu werden - ohne aber das Fohlen durch zu hohe Mengen in eine ebenso schädliche Überversorgung zu bringen. 

Bedarfsgerechte Fütterung, viel Bewegung auf unterschiedlichen Untergründen und dazu die entsprechenden Sozialkontakte sind notwendig für die gesunde Jungpferdeaufzucht! Die beste Fütterung nützt nichts, wenn das Jungpferd sich nicht ausreichend viel bewegt.